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Storytelling im Fernsehen: Was Wetterberichte und Star Trek über gute Geschichten verraten

  • Autorenbild: Caesar & Harrison GmbH & Co. KG
    Caesar & Harrison GmbH & Co. KG
  • vor 6 Tagen
  • 11 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Von Holger König und Michael Neugebauer, mit Gast Benjamin Stöwe



Ein Wetterbericht ist eine Geschichte, und Star Trek ist eine Geschichte darüber, wie Geschichten entstehen. In Folge 16 von Storify your Business sprechen Holger König und Michael Neugebauer mit Benjamin Stöwe, Wettermann im ZDF-Morgenmagazin, über Bindung zum Publikum, über Warnen ohne Panik und über die Werkzeuge von Gene Roddenberry.


Mehr über unseren Gast: Benjamin Stöwe


Benjamin Stöwe ist Fernsehjournalist, Wettermoderator im ZDF-Morgenmagazin und Synchronsprecher, unter anderem als deutsche Stimme von Dr. Hugh Culber in Star Trek: Discovery. Er kuratiert das 1701-Museum in Eberswalde und steht oft auf der Bühne. Mehr über seine Arbeit und die Termine:


Benjamin Stöwe, Wettermoderator im ZDF-Morgenmagazin, Synchronsprecher und Kurator des 1701-Museums, zu Gast bei Storify your Business

Das Wichtigste in Kürze zu Storytelling im Fernsehen


  1. Es gibt kein Mistwetter. Wer sein Publikum ernstnimmt, findet für jede Wetterlage eine Perspektive, für die sie eine gute Nachricht ist.

  2. Bindung entsteht durch Kontinuität, nicht durch die Schlagzeile. Sieben Wetterberichte an einem Morgen schaffen Raum für Einordnung, den eine Push-Nachricht nie hat.

  3. Warnen heißt sensibilisieren, nicht dramatisieren. Der Satz, auf den es beim Blitzeis ankommt, lautet: Wichtig ist, dass du ankommst, nicht wann.

  4. Gene Roddenberry hat seine Figuren aus dem gebaut, was ihn selbst begeistert hat, von Horatio Hornblower über Sherlock Holmes bis Shakespeare. Gute Geschichten entstehen aus verarbeiteten Vorbildern.

  5. Der entscheidende Rat vor dem Pitch bei NBC lautete: Erzähl es nicht als Vorschlag, erzähl es als Tatsache. Genau das trennt eine überzeugende Geschichte von einer bittenden.


Worum geht es in dieser Podcast-Folge? Show Notes mit Timestamps


Folge 16 ist die zweite Folge mit Gast und hat zwei Teile. Zuerst geht es um das Wetter als tägliche Erzählung vor einem Millionenpublikum, danach um Gene Roddenberry, den Erfinder von Star Trek, und um das Theaterstück, das Benjamin Stöwe über ihn geschrieben hat.

Zeitmarke

Thema in dieser Podcast-Folge

00:00

Einleitung: Wie moderiert man einen Wettermann an?

01:20

Wie das Gespräch entstand: ein Like auf LinkedIn

02:40

Vom rbb über die Medienschule ems zum Fernsehen

05:10

Warum es kein Mistwetter gibt: die Sache mit dem Pullover

08:30

Garderobe im Studio: Wetterlage, Tagesgefühl und Pietät

11:15

Blitzeis im Winter: doppelt so oft auf Sendung

14:00

Sensibilisieren ohne Panik und die Neigung zur Selbstüberschätzung

17:30

Sensationsberichterstattung und warum Kontinuität sie ausgleicht

20:45

Um 5:33 Uhr die ersten sechzig E-Mails: Wetter als Beziehung

24:10

Ein Publikum, das aus allen besteht: Küste, Flachland, Festivalwetter

27:30

Der frühe Morgen verbindet und was Kinder im Studio fragen

30:15

Auflösung der gemeinsamen Leidenschaft: Gene Roddenberry

33:40

Holgers Film mit zwei Star-Trek-Schauspielern

36:20

Das 1701-Museum in Eberswalde und sein Ende nach 17 Jahren

40:00

Roddenberrys Vorbilder: Hornblower, Sherlock Holmes, Shakespeare

43:30

Der Pitch bei NBC und das Theaterstück Sterne im Karton



Wie wird aus einem Wetterbericht eine Geschichte?


Warum es für Benjamin Stöwe kein Mistwetter gibt


Benjamin Stöwe moderiert seit 2015 das Wetter im ZDF-Morgenmagazin, halbstündlich und live. Auf die Frage, wie er aus Grad, Bewölkung und Fronten etwas anderes macht als eine Ansage, antwortet er mit einer Haltung: Er würde Wetter niemals als Mistwetter bezeichnen. Für jede Wetterlage gibt es eine Region, für die genau sie eine gute Nachricht ist. Regen ist irgendwo dringend nötig, auch wenn er anderswo den Ausflug verdirbt.


Wie ernst er das nimmt, zeigt eine Geschichte, die im Podcast zum Running Gag wird. Er besitzt einen Pullover mit dem Aufdruck MSTWTR, also Mistwetter ohne Vokale. Den hat er über Jahre im Schrank liegen lassen und sehr lange auf den einen Tag gewartet, an dem er ihn vertreten konnte. Erzählen heißt hier nicht, etwas auszuschmücken. Es heißt, den richtigen Moment abzuwarten.


Was die Kleidung im Studio über den Tag erzählt


Seine gesamte Garderobe hängt im Studio, und was er anzieht, hängt vom Wetter ab, vom eigenen Tagesgefühl und von der Nachrichtenlage. Unterstützt wird er dabei von der Stylistin des ZDF in Mainz, die immer wieder eine Kiste nach Berlin schickt. Der eigentliche Fundus ist aber über Jahre gewachsen.


Entscheidend ist der Umkehrschluss. Wenn am Vortag Menschen durch ein Wetterereignis gestorben sind, ist der Tag danach kein Anlass für etwas Buntes oder Auffälliges. Das wäre nicht pietätvoll. Die Kleidung ist damit Teil der Botschaft, bevor das erste Wort fällt. Das Stammpublikum liest daran ab, ob heute ein guter Morgen ist oder einer, an dem es ernster wird.


Für Marketingverantwortliche steckt darin eine unbequeme Erkenntnis. Die Form transportiert immer mit, ob wir es beabsichtigen oder nicht. Wie sehr diese nichtsprachliche Ebene über die Wirkung einer Botschaft entscheidet, haben Holger und Michael in Folge 8 über den narrativen Transport beschrieben.




 


Wie erreichst du ein Publikum, das aus allen besteht?


Warum Kontinuität stärker bindet als jede Schlagzeile


Holger konfrontiert seinen Gast mit einer Beobachtung: Aus jedem Wetter wird inzwischen eine Sensation gemacht, Jahrhundertflut, Katastrophenregen. Und weil das ständig passiert, stumpfen Menschen ab. Genau das ist das Dauerrauschen, über das die beiden in Folge 10 gesprochen haben.


Benjamin Stöwes Antwort ist bemerkenswert, weil sie nicht auf lautere Botschaften setzt, sondern auf Frequenz. Mindestens sieben Wetterberichte an jedem Morgen bedeuten Fläche, und Fläche bedeutet Gelegenheit zu vertiefen. Wer nur den Superlativ hinhaut, wird irgendwie wahrgenommen und stumpft sein Publikum gleichzeitig ab. Wer sagt, wir ordnen das in dreißig Minuten ein, kann Irrtümer ausräumen und Zusammenhänge erklären.


Wie eng diese Bindung ist, zeigt eine Zahl aus dem Gespräch: Die Sendung beginnt um 5:30 Uhr, und wenn es ein Thema gibt, liegen um 5:33 Uhr bereits fünfzig bis sechzig E-Mails vor. Er nennt das ein Miteinander, bei dem beide Seiten ernst und ehrlich miteinander umgehen. Ein Verhältnis, das eine Sensationsberichterstattung gar nicht tolerieren würde.


Merkmal

Aufmerksamkeit über die Schlagzeile

Bindung über Kontinuität

Wirkung

Kurzer Ausschlag, danach Abstumpfung

Wächst über Wochen und Monate

Verhältnis zum Publikum

Einseitig, Push-Nachricht und Überschrift

Wechselseitig, Zuschriften und Fotos kommen zurück

Umgang mit Komplexität

Endet nach der Schlagzeile

Vertieft im nächsten Beitrag, ordnet ein

Belastbarkeit

Verliert bei jeder Wiederholung an Kraft

Trägt auch, wenn es ernst wird


Wie du beim Blitzeis warnst, ohne Panik zu machen


Im vergangenen Winter war Benjamin Stöwe an einem Morgen doppelt so oft auf Sendung wie üblich. Der Grund war eine Blitzeislage, die in bestimmten Regionen schnell und unvorhergesehen eintreten konnte. Die erhöhte Frequenz war dabei selbst schon Teil der Botschaft: Wer alle dreißig Minuten auf das Wetter schaut, betreibt eine Art Nowcasting und kann sagen, jetzt passen Sie bitte genau dort auf.


Sein Ziel formuliert er präzise: sensibilisieren, ohne Panik zu machen. Die entscheidende Botschaft an diesem Morgen war nicht, dass jeder zu Hause bleiben soll, sondern dass es in Ordnung ist, wenn heute etwas länger dauert. Wichtig ist, dass man ankommt, nicht wann. Er beobachtet dabei, dass Menschen bei Gefahr eher zur Selbstüberschätzung neigen als zu Demut, und dass Warnungen zuverlässig auch Widerspruch erzeugen, von Hör auf, uns zu bevormunden bis zu Ich kenne das alles.


Michael hakt an der Stelle nach, die für jede Kommunikation zählt: Wie richtet man eine Botschaft auf ein Publikum aus, das eigentlich aus allen besteht? Die Antwort lautet, dass sich die Perspektiven nicht ausschließen. An der Küste lächelt man über eine Windstärke, bei der man im Flachland erschrickt. Wer 25 ist, empfindet Hitze anders als jemand mit 75. Vor der Festivalsaison gibt es ein Festivalwetter mit Blick nach Wacken, und zurück kommen Fotos aus dem Zelt. Der frühe Morgen verbindet zusätzlich, weil alle, die früh aufstehen, schon durch die Uhrzeit verbunden sind.






Was Gene Roddenberry über das Erfinden von Geschichten lehrt


Der zweite Teil der Folge hat einen Anlass. Am 8. September jährt sich die Erstausstrahlung der ersten Star-Trek-Folge mit Captain Kirk im US-Fernsehen zum sechzigsten Mal. Benjamin Stöwe ist Kurator des 1701-Museums in Eberswalde, benannt nach der Registriernummer der Enterprise und untergebracht auf 17,01 Quadratmetern. Nach 17 Jahren und einem Monat hat er diese Mission im Juni beendet, um den Exponaten außerhalb des Kellers eine neue Chance zu geben.


Woher Captain Kirk wirklich stammt


Für sein Theaterstück hat Benjamin Stöwe untersucht, aus welchen Stoffen Gene Roddenberry seine Figuren gebaut hat. Auf die Frage nach seinen Vorbildern hat Roddenberry selbst geantwortet, dass er unter realen Personen kaum fündig werde, sondern bei literarischen Helden lande, die ihn als Kind beeindruckt haben.


Quelle

Was Roddenberry daraus zog

C. S. Forester, Horatio Hornblower

Die Karriere eines Seefahrers vom ersten Schritt an Bord bis zum Admiral. Diese Figur wurde Jahrhunderte später zu Captain Kirk.

Arthur Conan Doyle, Sherlock Holmes

Ermittlungslogik und die Faszination für eine Figur, die aus Beobachtung Schlüsse zieht.

William Shakespeare

Dramatische Konflikte und große Figurenzeichnung, bis heute in Titeln und Zitaten der Serie sichtbar.

Science-Fiction-Magazine

Das Material der Zeit, aus dem sich Ideen und Motive speisten.


Benjamin Stöwe korrigiert Michael an einer entscheidenden Stelle. Auf die Bemerkung, Roddenberry habe bei anderen geklaut, antwortet er: Er hat sich inspirieren lassen. Er hat genommen, was ihn selbst begeistert hat. Das ist der Unterschied zwischen Kopieren und Verarbeiten, und er gilt für jede Marke, die ihre eigene Geschichte sucht.


Warum ein guter Erzähler auch Pragmatiker sein muss


Roddenberry war nach Benjamin Stöwes Einschätzung in allem ein unglaublicher Pragmatiker. Er war Pilot im Zweiten Weltkrieg mit 89 Einsätzen und arbeitete später bei der Polizei in Los Angeles, weil ihm jemand gesagt hatte, wer Autor werden wolle, brauche ein Gefühl fürs Leben. Er müsse Biografien kennen und wie ein Schwamm aufnehmen, was ihn umgibt. Seine Erlebnisse als Polizist verkaufte er anschließend an die Krimiserien der Zeit.


Dieser Pragmatismus führte bei Star Trek zu einem echten Konflikt. Roddenberry versammelte die größten Science-Fiction-Autorinnen und -Autoren der sechziger Jahre und bekam großartige Geschichten, die pro Folge mindestens eine halbe Million Dollar gekostet hätten. Das Budget lag bei 180.000 Dollar. Also schrieb er um, komprimierte und machte fernsehtauglich. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht, aber er hat die Serie überhaupt erst möglich gemacht.


Das ist eine Lektion, die jedes Marketingteam kennt: Die beste Idee nützt nichts, wenn sie unter den realen Bedingungen nicht umsetzbar ist. Wie man aus Rohmaterial überhaupt erst eine erzählbare Geschichte macht, war auch Thema in Folge 14 über Data Storytelling.






Was der Pitch bei NBC über Überzeugung verrät


Wie aus einem Vorschlag eine Tatsache wird


Die vielleicht stärkste Stelle der Folge ist die Geschichte der beiden Star-Trek-Pitches. Der erste lief bei CBS und war von Anfang an merkwürdig, weil ungewöhnlich viele sehr konkrete Fragen kamen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass CBS selbst eine Weltraumserie plante, nämlich Lost in Space, und vor allem wissen wollte, was Roddenberry sich ausgedacht hatte. Die Absage kam mit Dank für den Input.


Vor dem zweiten Pitch bei NBC bekam Roddenberry einen Rat, der bis heute trägt: Hören Sie auf, es den Leuten vorzuschlagen. Pitchen Sie so, als wäre es ein Fakt. Als hätten Sie das beinahe schon erlebt und würden jetzt nur erzählen, was Sie gesehen haben. NBC bestellte daraufhin nicht nur einen Pilotfilm, sondern nach dem ersten sogar noch einen zweiten.


Der Unterschied zwischen einem bittenden und einem erzählenden Auftritt entscheidet über Aufträge, nicht nur über Fernsehserien. Wer eine Lösung als bereits erlebte Wirklichkeit beschreibt, verkauft nicht, sondern nimmt sein Gegenüber mit. Genau darum geht es in Folge 5 über das Verkaufen ohne zu verkaufen.


Sterne im Karton: Wenn das Publikum selbst entscheiden muss


Aus dieser Recherche ist ein Theaterstück geworden. Sterne im Karton ist eine One-Man-Show über Gene Roddenberry, in der Benjamin Stöwe sechs verschiedene Figuren verkörpert, literarische Vorbilder ebenso wie reale Personen. Der Titel stammt aus Roddenberrys Kindheit: Er verbrachte viel Zeit in einem Karton, in den er sich zurückzog und in dem er seine Geschichten las, ob Science-Fiction, Hornblower oder Shakespeare.


Sein Beruf als Synchronsprecher und Synchronregisseur hilft ihm dabei, denn ein Solo mit sechs Figuren ist im Grunde ein komprimierter Synchrontag: schnell und konsequent in Rollen schlüpfen, mit großer Empathie, an sehr kleinen Abschnitten intensiv arbeiten. Nebenbei benennt er eine reale Sorge seiner Branche. Produzenten fragen an, ob sie Takes ohne Vergütung zum Training künstlicher Intelligenz nutzen dürfen, und die Perspektive ist absehbar.


Das Besondere an der Inszenierung ist die Rolle des Publikums. Die Gründerzeit von Star Trek ist abstrakt, denn kaum jemand saß je in einem Pitch vor den Verantwortlichen von NBC. Genau in diese Situation bringt das Stück seine Zuschauer: Sie treten Roddenberry gegenüber und müssen selbst entscheiden, ob sie dafür Geld ausgeben würden. Das ist Storytelling, das seine eigene Behauptung überprüfbar macht.



Sterne im Karton

Form

One-Man-Show über Gene Roddenberry mit sechs Figuren

Länge

45 Minuten, also die Länge einer Star-Trek-Episode

Premiere

8. September 2026 in Eberswalde, exakt 60 Jahre nach der Erstausstrahlung in den USA

Weitere Termine

Tournee im gesamten Bundesgebiet, die letzte Aufführung ist für September 2027 in Wien geplant

Begleitend

Neue Star-Trek-Ausstellung ab dem 8. September in Eberswalde, zu sehen bis Ende November







Wer spricht in diesem Podcast? Holger König und Michael Neugebauer.


Holger König ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Caesar & Harrison, einer Beratung für narratives Marketing spezialisiert auf den Mittelstand im deutschsprachigen Raum. Als StoryBrand Certified Guide interessiert ihn an dieser Folge besonders, wie ein Erzähler seine Vorbilder verarbeitet und wie ein Pitch zur erlebten Wirklichkeit wird.


Michael Neugebauer ist Kommunikationstrainer, Coach und Moderator. Er war Mitbegründer der Medienschule ems in Potsdam, an der Benjamin Stöwe ausgebildet wurde. Diese gemeinsame Vergangenheit ist der Grund, warum dieses Gespräch überhaupt zustande kam.


Holger König und Michael Neugebauer kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit beim Radio. Diese alte Verbindung zweier Radiomacher trägt den Podcast, der nicht wie ein Fachinterview klingt, sondern wie ein echtes Gespräch, in dieser Folge zu dritt mit ihrem Gast.


Fazit von Holger König


Diese Folge hat für mich einen sehr persönlichen Kern. Ich bin über zwei Star-Trek-Schauspieler zu diesem Universum gekommen, über Connor Trinneer und Robert Picardo, mit denen ich einen Film gedreht habe. In diesem Film will ein College-Professor namens Harrison einem Produzenten namens Caesar ein Drehbuch über Benjamin Franklin verkaufen. Wer bei den beiden Namen schmunzelt, liegt richtig.


Was mich an Benjamin am meisten beeindruckt, ist die Konsequenz, mit der er sein Publikum ernstnimmt. Kein Mistwetter, weil es für irgendjemanden immer gutes Wetter ist. Keine Sensation, weil die nächste Sendung in dreißig Minuten ohnehin einordnen wird. Das ist keine Bescheidenheit, das ist eine Erzählstrategie, und sie erzeugt eine Bindung, um die viele Marken ihn beneiden dürften.


Und dann ist da der Rat vor dem NBC-Pitch, den ich mir einrahmen möchte: Erzähl es nicht als Vorschlag, erzähl es als Tatsache. Am Ende ist es immer eine Story. Unternehmensmarketing kommt ohne sie nicht aus, Mitarbeitermotivation nicht, Science-Fiction-Autoren nicht, Filmemacher nicht, und Michael und ich ganz sicher auch nicht.





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FAQ: Häufige Fragen zu Storytelling im Fernsehen


Was macht einen Wetterbericht zu einer Geschichte?

Dass er eine Perspektive einnimmt, statt nur Werte anzusagen. Benjamin Stöwe würde Wetter nie als Mistwetter bezeichnen, weil es für jede Lage eine Region gibt, für die sie eine gute Nachricht ist. Dazu kommt die Einordnung: Was bedeutet diese Wetterlage für dich, für deinen Weg zur Arbeit, für dein Festivalwochenende? Aus Daten wird eine Geschichte, sobald jemand sagt, was sie für den Einzelnen bedeuten.

Indem du akzeptierst, dass die Perspektiven sich nicht ausschließen, und ihnen nacheinander Raum gibst. An der Küste lächelt man über eine Windstärke, bei der man im Flachland erschrickt. Wer 25 ist, empfindet Hitze anders als jemand mit 75. Nicht jeder ist zur gleichen Zeit gemeint, aber über viele Beiträge hinweg kommt jeder einmal vor. Genau daraus entsteht das Gefühl, ernstgenommen zu werden.

Indem du sensibilisierst statt dramatisierst und eine konkrete Handlung anbietest. Bei der Blitzeislage lautete die Botschaft nicht, dass niemand mehr fahren soll, sondern dass es in Ordnung ist, wenn es heute länger dauert. Wichtig ist, dass man ankommt, nicht wann. Dazu kommt die erhöhte Frequenz: Wer alle dreißig Minuten auf die Lage schaut, kann präzise sagen, wo genau jetzt aufzupassen ist.

Zwei Dinge. Erstens, dass gute Geschichten aus verarbeiteten Vorbildern entstehen. Roddenberry hat nicht kopiert, er hat genommen, was ihn selbst begeistert hat, von Horatio Hornblower über Sherlock Holmes bis Shakespeare. Zweitens, dass ein Erzähler auch Pragmatiker sein muss. Er hat großartige Drehbücher umgeschrieben, weil sie das Budget von 180.000 Dollar je Folge gesprengt hätten. Eine Idee, die nicht umsetzbar ist, hilft niemandem.

Erzähl es nicht als Vorschlag, erzähl es als Tatsache. Genau diesen Rat bekam Gene Roddenberry vor seinem zweiten Star-Trek-Pitch bei NBC: so zu pitchen, als hätte er das alles beinahe schon erlebt, und einfach zu berichten, was er gesehen hat. Der Sender bestellte daraufhin gleich zwei Pilotfilme. Wer eine Lösung als erlebte Wirklichkeit beschreibt, bittet nicht um Zustimmung, sondern nimmt sein Gegenüber mit.


Autor: Das Team der Caesar & Harrison GmbH & Co. KG




 
 
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