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Das A-und-O-Prinzip: Warum Menschen nur zwei Dinge brauchen, um sich zu verstehen

Autorenbild: Caesar & Harrison GmbH & Co. KG
Caesar & Harrison GmbH & Co. KG
30. Sept.
13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 30. Sept.

Von Holger König und Michael Neugebauer



Es gibt hunderttausend Bücher über Kommunikation. Michael Neugebauer behauptet, im Kern gehe es nur um zwei Grundbedürfnisse, und dann werde alles einfacher. In Folge 18 von Storify your Business lösen er und Holger König diese steile These auf: Anerkennung und Orientierung, geprüft in hunderten von Trainings.


Das Wichtigste in Kürze zu Anerkennung und Orientierung


  1. Anerkennung und Orientierung sind die beiden Grundbedürfnisse, ohne die kein Kommunikationsmodell funktioniert. Michael Neugebauer hat das über zwei Jahrzehnte in seinen Trainings geprüft.

  2. Anerkennung bedeutet nicht Zustimmung. Das ist der größte Irrtum, und genau daran scheitern die meisten Konflikte. Auch Kritik ist eine Form von Anerkennung, weil sie zeigt, dass sich jemand mit dir beschäftigt hat.

  3. Wer zu wenig Anerkennung bekommt, holt sie sich: durch Provokation, durch die Opferrolle oder durch Rückzug in die innere Emigration.

  4. Orientierung beantwortet die Fragen, die jeder Mensch bei jeder Begegnung hat: Worum geht es, was bringt mir das, was könnte passieren, wie lange dauert das, was kostet es.

  5. Wer selbst keine Antwort hat, schafft mehr Vertrauen mit einem ehrlichen Ich weiß es noch nicht als mit einem Wischiwaschi-Statement, das später nicht hält.


Worum geht es in dieser Podcast-Folge? Show Notes mit Timestamps


Folge 18 ist die längste und persönlichste Folge bisher. Michael Neugebauer stellt ein Prinzip vor, das er seit rund zwanzig Jahren konsequent lebt, und Holger König prüft es Schritt für Schritt auf Alltagstauglichkeit, vom Meeting über die Supermarktkasse bis zur eigenen Familie.

Zeitmarke

Thema in dieser Podcast-Folge

00:00

Einleitung: Warum wir einander täglich missverstehen

01:19

Die steile These: nur zwei Grundbedürfnisse

03:36

Die Auflösung: Anerkennung und Orientierung

04:19

Warum Anerkennung nicht Zustimmung bedeutet

05:40

Was passiert, wenn Anerkennung fehlt

08:00

Warum Menschen sich in künstliche Intelligenz verlieben

11:54

Warum Haltung wichtiger ist als Technik

16:05

Chatbots und der Verlust an lebendiger Wirklichkeit

21:25

Kann man zu viel Anerkennung bekommen?

23:19

Vier Regeln für wirksame Anerkennung

26:36

Orientierung: Der Homo sapiens sucht Sicherheit

28:23

Konsequenz statt Prestige: ein Projekt abbrechen

30:57

Konfliktscheu, Team-Mythos und Verantwortungsscheu

34:53

Warum Ich-Botschaften den Unterschied machen

36:25

Storytelling ist Orientierung

41:44

Unwägbarkeiten aushalten statt Wischiwaschi

44:09

Alltagsübungen: Kasse, E-Mail, Partnerschaft

51:11

Michaels Handout und das Fazit



Was steckt hinter dem A-und-O-Prinzip?


Welche zwei Grundbedürfnisse meint Michael Neugebauer?


Holger eröffnet die Folge mit einer Beobachtung, die jeder kennt. Jeden Tag versuchen wir, andere Menschen zu verstehen und unterschiedliche Interessen auszugleichen, mit Kollegen, Verwandten, Eltern, Partnern, Kindern. Und jeden Tag geht dabei eine Menge schief. Niemand missversteht eine andere Person mit Absicht, jedenfalls in den seltensten Fällen.


Es gibt hunderttausend Bücher dazu, Millionen von Videoanleitungen und unzählige Podcasts. Und dann kommt Michael Neugebauer um die Ecke und behauptet, im Kern gehe es nur darum, zwei Grundbedürfnisse zu berücksichtigen. Die Auflösung lautet: Anerkennung und Orientierung. Daher A und O.


Warum funktionieren Kommunikationsmodelle ohne diese beiden nicht?


Michael hat das Prinzip in hunderten von Trainings abgeprüft, in Verhandlungen, in Geschäftsbeziehungen, in Familien. Seine Position ist eindeutig: Es gibt viele hilfreiche Kommunikationsmodelle, aber keines davon funktioniert, wenn du diese beiden Grundbedürfnisse nicht kennst und nicht berücksichtigst.


Auf Holgers Frage, was man sich eigentlich wünscht, wenn man mit anderen zusammenkommt, fallen ihm zuerst zwei Dinge ein: zugehört zu werden und verstanden zu werden. Sein Eindruck ist, dass viele Menschen nur zuhören, um ein Stichwort abzuholen, an das sie dann ihre eigene Geschichte hängen können. Zuhören heißt eben noch nicht verstehen.




 


Anerkennung: das unterschätzte Lebensbedürfnis


Was Anerkennung bedeutet und was sie ausdrücklich nicht bedeutet


Der erste Gedanke ist Wertschätzung. Holger legt aber etwas davor: gesehen zu werden und so genommen zu werden, wie man ist. Dazu kommt Respekt vor den eigenen Werten, nicht im Sinne von Zustimmung, sondern schlicht im Sinne von Respektieren.


Genau hier setzt Michael den wichtigsten Satz des Abschnitts. Anerkennung bedeutet nicht zwangsläufig Zustimmung. Das ist ein großer Irrtum, und genau daran kracht es häufig. Der anderen Seite zu verstehen zu geben, dass man ihre Position überhaupt erst einmal verstanden hat, ist die Grundlage für jedes Konfliktmanagement, ganz unabhängig davon, ob man sie teilt.


Viele antworten auf die Frage nach Anerkennung wie aus der Pistole geschossen mit Lob. Das ist eine Form davon, aber Kritik ist es genauso. Kritik ist vielleicht nicht angenehm, zeigt aber, dass sich ein Mensch mit dir und mit dem beschäftigt hat, was du gemacht oder gesagt hast. Michaels Überzeugung: Anerkennung ist ein Lebensbedürfnis des Menschen, genauso wie Essen, Trinken und Schlafen.


Was passiert, wenn Anerkennung fehlt?


Dann holen sich Menschen sie, mit allen Mitteln. Holger nennt zwei Wege, die jeder aus dem Alltag kennt: Provokation und die Opferrolle. Dazu kommt das ausufernde Reden. Er erzählt von einem Meeting am selben Morgen, in dem der Organisator zwanzig Minuten am Stück durchgesprochen hat, während vier andere Beteiligte auf eine Entscheidung warteten.


Michael ergänzt einen dritten, stilleren Weg: Menschen werden krank und ziehen sich in sich selbst zurück. Er ist überzeugt, dass viele Fälle von Erschöpfung nicht allein an der Menge der Arbeit liegen, sondern auch an fehlender Rückmeldung. Wer nie erfährt, ob das, was er tut, in Ordnung ist, geht irgendwann in die innere Emigration. Wie stark sich das auf die Bereitschaft auswirkt, Veränderungen mitzutragen, haben die beiden in Folge 11 über den Widerstand gegen Veränderung beschrieben.


Anerkennung ist

Anerkennung ist nicht

Gesehen werden und so genommen werden, wie man ist

Zustimmung zu jeder Position

Respekt vor den Werten des anderen

Nachgeben, um Konflikte zu vermeiden

Konstruktive Kritik, die zeigt: Ich habe mich damit befasst

Dauerlob ohne Anlass

Aufrichtig und auf eine Person bezogen

Eine Routine zu Jubiläen und Feiertagen

Auch die Grenze zu respektieren, wenn jemand gerade nicht reden will

Ein Werkzeug, das man nach einem Training anwendet


Warum verlieben sich Menschen in künstliche Intelligenz?


Michael verweist auf einen Soziologen namens James Malden, der bei einer Veranstaltung der Messe South by Southwest in London untersucht hat, warum sich immer mehr Menschen in eine KI verlieben. Seine Antwort: Die KI hört zu, fragt nach, schmeichelt, zeigt sich mitfühlend und widerspricht selbst dann nicht, wenn der Nutzer etwas völlig Falsches sagt.


Der eigentliche Befund liegt eine Ebene tiefer. Vielen dieser Menschen ist es nach Maldens Beobachtung gleichgültig, dass sie den Bots nie wirklich etwas bedeuten und dort keine echte Wertschätzung erfahren. Wichtiger als echte Gefühle ist ihnen, nicht verletzt und nicht verurteilt zu werden. Holger hält dagegen, dass er es durchaus schätzt, wenn eine Maschine bei Widerspruch sachlich reagiert statt abzuwerten. Beides zusammen beschreibt, wie groß die Lücke ist, die fehlende Anerkennung im Alltag hinterlässt.






Wie du Anerkennung gibst, ohne dass es aufgesetzt wirkt


Warum Haltung wichtiger ist als Technik


Michael warnt ausdrücklich davor, seine Empfehlungen einfach nachzumachen. Wenn es nicht von Herzen kommt, merkt die andere Seite das sofort. Sein abschreckendes Bild dafür ist die Führungskraft, die am Montag nach einem Wochenendtraining plötzlich durch die Gänge läuft und allen im übertragenen Sinne über das Köpfchen streichelt. Nach einer Woche ist es wieder vorbei. Es braucht also eine Haltung, kein Werkzeug, und genau darum ging es in Folge 9.


Wie das konkret aussieht, zeigt eine kleine Geschichte. Michael hatte ein Problem mit einem Türschloss und rechnete mit einem Austausch. Der Monteur schaute es sich an, zog ein Teil gerade, und alles funktionierte wieder, ohne neues Schloss. Michael hat sich nicht nur beim Monteur bedankt, sondern der Firma anschließend eine Mail geschrieben. Sein Punkt dabei: qualifiziertes Feedback zu geben ist etwas anderes als drei, vier oder fünf Sterne in einer App, und es lohnt sich auch dann, wenn man diese Firma vermutlich nie wieder braucht.


Kann man zu viel Anerkennung bekommen?


Holger findet ja, und er beschreibt die Szene am Spielplatz, in der ein Kind einen einzigen Schritt macht und die Eltern völlig ausflippen. Sein Einwand: Damit werden Menschen falsche Tatsachen vorgespiegelt, und man macht sie süchtig danach. Das gilt seiner Ansicht nach ausdrücklich auch in der Erwachsenenwelt.


Michael stimmt zu und ergänzt die Folge. Wer ständig hört, ihm stehe alles offen, verliert das Gefühl für die eigenen Grenzen. Dann wird es schwierig, sobald etwas tatsächlich Anstrengung verlangt oder Anpassung erfordert. Genauso wichtig ist die andere Richtung: Grenzen zu respektieren, wenn jemand gerade nicht reden oder nicht zuhören will, ist selbst eine Form von Anerkennung.


Regel

Was dahintersteckt

Aufrichtig

Wenn es nicht echt gemeint ist, merkt es die andere Seite. Dann besser lassen

Individuell

Nicht Team, das habt ihr gut gemacht. Niemand weiß dann, ob er gemeint war

Dauerhaft statt sporadisch

Geburtstage, Jahrestage und Feiertage sind oft unbeseelte Routine. Anerkennung wirkt an den anderen 364 Tagen

In beide Richtungen

Wann hast du zuletzt deine Chefin oder deinen Chef gelobt? Einer muss anfangen


Ein letzter Punkt in diesem Abschnitt betrifft eine weit verbreitete Gesprächstechnik. Erst etwas Positives sagen, um danach die eigentliche Kritik anzubringen, hält Michael für gruselig und keineswegs für neu. Sein Gegenvorschlag ist unbequemer und ehrlicher: früher anfangen, loben wenn es etwas zu loben gibt, und dann auch nur loben. Wer das tut, kann später auch einmal nur kritisieren, ohne krampfhaft noch etwas Nettes suchen zu müssen.






Orientierung: warum Menschen wissen wollen, woran sie sind


Welche Fragen stellt sich jeder Mensch bei jeder Begegnung?


Michael geht für die Erklärung wieder ins Neandertal. Der Homo sapiens ist im Dauererregungszustand und sucht nach Sicherheit, und das tut er bis heute. Auf den Alltag übertragen stellen sich bei jeder Begegnung dieselben Fragen: Worum genau geht es? Was bringt mir das? Was könnte passieren? Wie lange dauert das? Was kostet das? Und warum soll ich das machen?


Was wir stattdessen erleben, ist das Gegenteil. Endlose Meetings ohne Ergebnis, nutzlose Präsentationen, Runden nach dem Motto lass uns mal reden ohne erkennbares Ziel. Dazu kommen die beiden Sätze, die alles wegwischen, ohne irgendetwas zu klären: Wir schaffen das, und ihr seid doch ein Team.


Als Gegenbeispiel nennt Michael den Abbruch eines milliardenschweren Beschaffungsprojekts im vergangenen Sommer. Es war absehbar, dass es deutlich teurer und deutlich länger werden würde, also wurde die Reißleine gezogen. Die verbreitete Reaktion, das sei eine teure Blamage, teilt er nicht. Er hält es für gesund, aus einer Sache auszusteigen, von der man merkt, dass sie nichts wird. Das ist exakt der Geldgrab-Irrtum, den die beiden in Folge 12 als unterdrücktes Nein beschrieben haben.


Warum fehlt Orientierung so oft?


Michael nennt drei Gründe, die alle im Berufsleben liegen. Der erste ist Konfliktscheu. Welcher Mitarbeiter traut sich schon, seiner Führungskraft zu widersprechen, wenn er befürchtet, nicht mehr gemocht oder bei der nächsten Beförderung übergangen zu werden?


Der zweite ist der Mythos vom Team. Ein Team ist eine Runde von Spezialistinnen und Spezialisten, die für eine bestimmte Aufgabe zusammengestellt wird. Eine Abteilung, die schon immer da war, ist damit noch kein Team. Und Teams neigen dazu, sich abzuschließen und keine Impulse mehr von außen aufzunehmen, weshalb Teamarbeit begleitet und hinterfragt werden muss.


Der dritte Grund wiegt am schwersten. Michael hat in vielen Firmen erlebt, dass die wichtigste Aufgabe der Mitarbeitenden darin bestand, keine Schuld zu haben. Wer aber keine Schuld haben will, übernimmt auch keine Verantwortung. Und wer keine Verantwortung übernimmt, redet keinen Klartext darüber, was zu schaffen ist und was nicht. Genau daraus entsteht Desorientierung, und am Ende macht jeder das, was er gerade für notwendig hält.


Das zerstört Orientierung

Das schafft Orientierung

Wir schaffen das, ohne zu sagen wie

Ein Ziel, das im gesetzten Zeitraum erreichbar ist

Ihr seid doch ein Team

Klartext darüber, was geht und was nicht geht

Verquaste Sprache, Juristendeutsch, seitenlange Bedingungen

Einfache, allgemein verständliche Sätze

Ein Wischiwaschi-Statement, das später nicht hält

Ein ehrliches Das kann ich im Moment noch nicht sagen

Ein überambitioniertes Ziel, an dem man immer scheitert

Kleinere Ziele, die man erreichen und übererfüllen kann






Wie du Orientierung gibst, wenn du selbst nicht alles weißt


Warum Ich-Botschaften den Unterschied machen


Orientierung ist keine Einbahnstraße. Sie muss nicht von oben kommen, sondern kann auch von der Seite oder von unten gegeben werden. Wer erkennt, dass ein Ziel mit den vorhandenen Ressourcen nicht zu erreichen ist, hat sogar die Verantwortung, das zu sagen.


Entscheidend ist dabei die Formulierung. Holger setzt an mit dem Satz, das sei schlicht unmöglich, und Michael stoppt ihn sofort. Besser sei: Das schätze ich so ein, dass wir das nicht schaffen können. Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Eine Ich-Botschaft ermöglicht es der anderen Seite, den Einwand überhaupt erst anzunehmen, statt ihn als Angriff zu verstehen.


Dazu kommt die Sprache selbst. Geschäftsbedingungen, Juristendeutsch und Einverständniserklärungen schaffen keine Orientierung, und das ist teilweise Absicht. Wer ohnehin abklicken muss, um eine Leistung zu bekommen, bekommt den Text möglichst lang und unverständlich vorgelegt. Es fehlt der Perspektivwechsel, also der rote Faden dieses Podcasts. Michaels Gegenmittel ist eine klare Botschaft, verbunden mit einem Narrativ, das erklärt, warum wir etwas tun und was für den Einzelnen dabei herauskommt. Was ein Narrativ ausmacht, erklärt der Grundlagenartikel dazu. Holgers Fazit an dieser Stelle ist der kürzeste Satz der Folge: Storytelling ist orientieren.


Warum Ehrlichkeit über Unwägbarkeiten Vertrauen schafft


Die schwierigste Frage der Folge stellt Holger am Beispiel der Binnenschifffahrt. Niemand weiß, wann der nächste Regen fällt und der Pegel wieder steigt. Trotzdem kann man die Betroffenen nicht allein lassen. Wie orientiert man Menschen, wenn man selbst nicht Bescheid weiß?


Michaels Antwort ist unbequem: indem man genau das sagt. Ich bin zwar der Experte, und ich weiß es trotzdem nicht, weil es Unwägbarkeiten gibt. Er benennt dabei den Mechanismus, der dem entgegensteht. Nach jedem größeren Vorfall steht sofort jemand vor der Kamera und kündigt Veränderungen an, obwohl noch niemand weiß, was überhaupt passiert ist. Das bedient das Bedürfnis, sofort zu wissen, ob man sicher ist.


Holger übersetzt das in die Sprache des Storytellings. Menschen wollen den Story Loop schließen, sie wollen, dass die Sache wieder in Ordnung kommt. Wer diese Schleife vorschnell schließt und sagt, wir haben alles im Griff, bewegt sich auf dünnem Eis. Wer sich stattdessen ins Wischiwaschi rettet, erzeugt am Ende noch mehr Verunsicherung. Michaels Anspruch lautet deshalb, Ungewissheit auszuhalten und sie offen zu benennen. Wer sich vorher als verlässlich erwiesen hat, dem nimmt man auch eine knappe Auskunft zu einem komplexen Thema ab.


Wie übst du das A-und-O-Prinzip im Alltag?


Beide sammeln zum Schluss Beispiele, und auffällig ist, wie klein sie alle sind.

Situation

Was du konkret tun kannst

An der Kasse

Statt nur Payback und Bon ein Satz wie: Sie haben ja heute richtig gute Laune

In der E-Mail

Nicht mit Ich beginnen. Im angloamerikanischen Raum ist der Dank für die vorherige Mail selbstverständlich

In der Partnerschaft

Auch auf Routinen mit Dankbarkeit reagieren, etwa auf den Tee, der jeden Morgen ans Bett kommt

Bei Freunden

Anrufen und fragen, wie es geht, ohne gleich einen Termin anzuhängen

Unterwegs

Anerkennen, wenn sich jemand Mühe gibt, statt auf den ersten Fehler zu warten

In der Familie

Eltern, Kindern und Verwandten sagen, wofür man dankbar ist


Holgers Beispiel dazu stammt aus dem Zug. Der Speisewagen hatte keine Lieferung bekommen, ein Kaffee war nicht zu haben. Zehn Minuten später ging die Abteiltür auf und jemand stand mit einem Kaffee da, weil sie die Maschine doch noch in Gang gebracht hatten. Michaels Gegenstück ist noch kleiner: Eine Gruppe junger Leute steigt aus der U-Bahn aus, der Letzte sagt im Vorbeigehen zwei Worte über sein buntes Hemd, und es wirkt.


Wer tiefer einsteigen will: Michael hat zum A-und-O-Prinzip ein Handout zusammengestellt, das er auf seiner Website anbietet.






Wer spricht in diesem Podcast? Holger König und Michael Neugebauer.


Holger König ist Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Caesar & Harrison, einer Beratung für narratives Marketing spezialisiert auf den Mittelstand im deutschsprachigen Raum. Als StoryBrand Certified Guide arbeitet er seit über zwei Jahrzehnten daran, Unternehmen dabei zu helfen, ihre Botschaften so zu schärfen, dass sie Vertrauen aufbauen und Kunden gewinnen.


Michael Neugebauer ist Kommunikationstrainer, Coach und Moderator. Er begleitet Führungskräfte und Teams dabei, klarer und wirkungsvoller zu kommunizieren, sei es in Präsentationen, Verhandlungen oder im direkten Gespräch.


Holger König und Michael Neugebauer kennen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit beim Radio. Diese alte Verbindung zweier Radiomacher trägt den Podcast, der nicht wie ein Fachinterview klingt, sondern wie ein echtes Gespräch zwischen zwei Menschen, die sich vertrauen und gegenseitig herausfordern.


Fazit von Holger König


Ich gebe offen zu, dass ich beim ersten Mal skeptisch war. Als Michael mir von Anerkennung und Orientierung erzählte, dachte ich: Ist das nicht ein bisschen einfach? Es hört sich nach nichts an. Nach dieser Folge weiß ich, dass es eben mehr ist als nichts, sondern eine ziemlich gute Basis dafür, vernünftig miteinander zu reden.


Was mich am meisten überzeugt, ist der Satz, dass Anerkennung nicht Zustimmung bedeutet. Daran scheitern die meisten Konflikte, die ich in Unternehmen sehe. Menschen glauben, sie müssten nachgeben, sobald sie den anderen verstehen, und verweigern deshalb schon das Verstehen. Dabei liegt genau dort der Ausweg.


Und beim Thema Orientierung nehme ich mir eine Formulierung mit, die klein aussieht und viel verändert. Nicht das ist unmöglich, sondern das schätze ich so ein, dass wir das nicht schaffen. Der Unterschied entscheidet darüber, ob mein Gegenüber zuhört oder zumacht. Storytelling ist orientieren, und das fängt bei einem einzigen Satz an.





Diese Folge jetzt hören und weitermachen


Folge 18 von Storify your Business jetzt hören:



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Kostenloser Narrativ-Check: In 7 Schritten zur narrativen Markenführung für eine Botschaft, die Orientierung gibt.


FAQ: Häufige Fragen zum A-und-O-Prinzip


Was ist das A-und-O-Prinzip?

Es besagt, dass Menschen im Kern nur zwei Grundbedürfnisse haben, wenn sie miteinander zu tun haben: Anerkennung und Orientierung. Michael Neugebauer hat das über rund zwei Jahrzehnte und in hunderten von Kommunikationstrainings geprüft. Seine These lautet, dass kein anderes Kommunikationsmodell funktioniert, wenn diese beiden Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Werden sie erfüllt, wird alles andere einfacher.

Nein, und das ist der häufigste Irrtum. Anerkennung heißt, dem anderen zu verstehen zu geben, dass man seine Position überhaupt erst einmal verstanden hat. Ob man sie teilt, ist eine ganz andere Frage. Genau an dieser Verwechslung scheitern viele Konflikte, weil Menschen schon das Zuhören verweigern, um bloß nicht als zustimmend zu gelten. Auch Kritik ist übrigens eine Form von Anerkennung, weil sie zeigt, dass sich jemand mit dir befasst hat.

Sie holen sie sich, und zwar auf drei typischen Wegen. Manche provozieren, bis jemand reagiert. Manche inszenieren sich als Opfer. Und manche ziehen sich zurück, gehen in die innere Emigration und machen nur noch das, was man ihnen sagt. Michael Neugebauer ist überzeugt, dass ein Teil der Erschöpfung im Berufsleben nicht an der Menge der Arbeit liegt, sondern an fehlender Rückmeldung darüber, ob das Geleistete in Ordnung ist.

Vier Regeln helfen. Erstens aufrichtig: Wenn es nicht echt gemeint ist, merkt es die andere Seite sofort, dann lässt man es besser. Zweitens individuell: Ein Lob an das ganze Team lässt niemanden wissen, ob er gemeint war. Drittens dauerhaft statt sporadisch, denn Jubiläen und Feiertage sind oft unbeseelte Routine. Viertens in beide Richtungen, denn auch Führungskräfte bekommen selten Anerkennung von ihren Mitarbeitenden.

Indem du genau das sagst. Ein ehrliches Das kann ich im Moment noch nicht sagen, ich weiß es selbst nicht, schafft mehr Vertrauen als ein Statement, das später nicht hält. Menschen wollen zwar die offene Frage geschlossen sehen, aber eine vorschnelle Entwarnung erzeugt am Ende größere Verunsicherung. Wer sich vorher als verlässlich erwiesen hat, dem nimmt man auch eine knappe Auskunft zu einem komplexen Thema ab.


✍ Autor: Das Team der Caesar & Harrison GmbH & Co. KG




 
 
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